Eine Brücke zwischen Disziplinen und Kontinenten

Text Maja Denisova

Während sich der Frühling draußen von seiner besten Seite zeigt, sitzen in einem Seminarraum in Steinbach, bei Frankfurt am Main, zwanzig junge Forschende aus der ganzen Welt. Der Grund? Zum ersten Mal findet im Rahmen des Digital Green Talents Awards (ehemals Green Talents Award) eine Spring School statt. Sie bringt die Gewinner*innen des Awards, renommierte Wissenschaftler*innen und engagierte Alumni zusammen, um aktuelle Themen der Nachhaltigkeitsforschung aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, Deutschlands Forschungslandschaft kennenzulernen und sich auszutauschen.

Das Programm deckte eine ganze Breite aktueller Forschungsthemen ab: Dr. Thiago S. Gouvea vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) stellte sein Projekt im Amazonas vor, in welchem sein Team die Artenvielfalt im tropischen Regenwald mithilfe von Audioaufnahmen und Methoden des maschinellen Lernens gemessen hat. Dr. Mierk Schwabe vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sprach über das Potenzial von Quantencomputing für präzisere Klimamodellierung und Prof. Dr. Henning Wilts schlug die Brücke zwischen Wissenschaft und Politik, indem er die deutsche Kreislaufwirtschaftsstrategie präsentierte und einordnete.

Dr. Rainer Müssner vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt eröffnete die Woche mit einer klaren Botschaft: Netzwerke sind entscheidend für eine erfolgreiche Laufbahn. Wie solche Netzwerke auch über Jahre hinweg bestehen können, zeigte die aktive Beteiligung zahlreicher Green Talents-Alumni: Der Award besteht seit 2009 und hieß bis 2022 Green Talents. Aus Indonesien, Südafrika und Singapur zugeschaltet, berichteten drei der Alumni von inspirierenden Karrieregeschichten und gewähren uns Einblick in ihre Forschung, etwa als Task Force Bureau Member beim Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) oder als stellvertretende Institutsleitung einer Forschungs- und Entwicklungsorganisation in Singapur.

Die 20 Digital GreenTalents bei der SpringSchool im Mai 2025 in Karlsruhe.

Fünf Alumni haben nach ihrem Forschungsaufenthalt sogar einen besonderen Schritt gewagt: Sie sind nach Deutschland gezogen und setzen hier ihre Karriere fort. Einer davon ist German Joosten. Er verdeutlichte den Teilnehmenden in seinem Zukunftsszenario-Workshop, warum es von zentraler Bedeutung ist, Zukunftsszenarien nicht nur zu analysieren, sondern aktiv mitzugestalten.

Luisa Cortat Simonetti Goncalves beleuchtete währenddessen die neuesten Entwicklungen in der Kunststoffregulierung, Javier Solano verdeutlichte die zentrale Rolle von Wasserstoff im Dekarbonisierungsprozess, Jaewon Son analysierte, wie Governance-Strukturen in Deutschland und Südkorea das Management städtischer Grünflächen prägen, und Binita Shah gewährte aufschlussreiche Einblicke in den Übergang von der akademischen Forschung in die Industriepraxis.

Warum sich viele junge Forschende für Deutschland entscheiden, wurde im Vortrag des Projektträgers DLR im Rahmen der Initiative „Research in Germany“ schnell klar: Deutschland investiert 3,14 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung und beschäftigt in 1.100 öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen rund 750.000 Personen.

Wissenschaft zum Anfassen: Von Mülltrennung und Verpackungsrobotern

Am Mittwoch verließen die Teilnehmenden den Seminarraum, um die aktuelle Forschung direkt vor Ort zu erleben. Am Fraunhofer IWKS in Alzenau erlebten sie, wie Recycling-Technologien und nachhaltige Materialentwicklung funktionieren. Verschiedene Maschinen demonstrierten eindrucksvoll, wie aus Abfall wieder wertvolle Rohstoffe gewonnen werden können. Bei Siemens in Karlsruhe erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die digitale Transformation der Industrie, wo digitale Zwillinge komplexe Produktionsabläufe nicht nur transparent, sondern auch optimierbar machen.

Das Robotik-Institut der Hochschule Karlsruhe führte in eine Welt ein, in der Roboter zunehmend menschliche Aufgaben übernehmen – von der präzisen Verpackung unterschiedlicher Objekte bis hin zu medizinischen Assistenztätigkeiten. Die Karlsruher Forschungsfabrik rundete das Programm mit einer Führung durch ihre Produktionsroboter und die Vorstellung des Digitalen Innovationszentrums ab, wo Industrie 4.0 erfahrbar wurde. Nach einem intensiven Tag voller Eindrücke fand die Gruppe bei einem entspannten Biergarten-Besuch in Karlsruhe die nötige Erholung.

Den krönenden Abschluss der Spring-School-Woche bildete die „Show us Your Talent“-Nacht am letzten Abend. Mit Musik, Tanz, einigen überraschenden Performances und einem Musik-Quiz wurde die Woche gebührend gefeiert und bot dabei eine Bühne für die vielfältigen Talente der Teilnehmenden.

Die Digital GreenTalents SpringSchool erwies sich als viel mehr als eine reine Fachveranstaltung: Sie schuf einen Rahmen für Zusammenarbeit und internationale Vernetzung, die idealerweise in zukünftigen Forschungsprojekten, gemeinsamen Publikationen und auch Freundschaften seine Fortsetzung finden.

Auch generationenübergreifend schafft das Programm Raum für Austausch: Bei der anstehenden Summer School 2026 im Juni trifft die neue Generation internationaler Digital GreenTalents auf die früheren Jahrgänge, zu denen inzwischen auch die aktuellen Talents von 2024 gehören.

Hintergrund

Der Digital Green Talents Award

zeichnet jährlich zwanzig junge Nachwuchsforschende aus aller Welt aus, die in ihrer Disziplin dazu beitragen, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Vergeben wird er vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Im November 2024 wurden die Gewinner*innen auf der NetDGT-Konferenz geehrt. In diesem Jahr absolvieren sie ihren dreimonatigen Forschungsaufenthalt in Deutschland und nahmen im Mai 2025 an der SpringSchool teil.

Weitere Informationen zum Award und zu den Gewinner*innen unter: https://digitalgreentalents.de