Und sonst so...
Daniel Czerwonka-Schröder?


Dr. Prof.-Ing. Daniel Czerwonka-Schröder ist Projektleiter bei AImon5.0, einer Initiative für modernes Risikomanagement und 4D-Geoinformation. Schon früh faszinierte ihn, wie sich die Erdoberfläche verändert und wie man diese Prozesse messen, verstehen und nutzen kann. Mit permanent installierten Laserscanning-Systemen und Künstlicher Intelligenz analysiert er große 4D-Datensätze, erkennt frühzeitig Risiken wie Erdrutsche oder Felsstürze und macht die Ergebnisse für Entscheidungsträger*innen verständlich. Foto: Hochschule Bochum
Wie sind Sie ursprünglich auf das Thema Umweltschutz und Digitalisierung aufmerksam geworden?
Schon im Master habe ich mich mit der zeitlichen Veränderung der Erdoberfläche beschäftigt. Mich fasziniert, wie sich Messprozesse automatisieren lassen, um tiefere Einblicke zu gewinnen – und wie Digitalisierung hilft, komplexe Umweltdaten zugänglich und entscheidungsrelevant zu machen.
Welche Fähigkeiten oder Eigenschaften sind Ihrer Meinung nach besonders wichtig, um in Ihrem Forschungsfeld erfolgreich zu sein?
Interdisziplinäres Denken ist entscheidend – ich arbeite oft mit Nachbardisziplinen, aber auch mit Fachfremden zusammen. Man muss bereit sein, andere Perspektiven zu verstehen, technische Inhalte verständlich zu vermitteln und trotzdem den eigenen fachlichen Anspruch nicht zu verlieren.
Können Sie ein Buch, einen Film oder einen Podcast empfehlen, der Sie zu Ihrer Arbeit inspiriert hat oder aktuell begleitet?
Der Roman „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann ist ein Klassiker in meinem Umfeld. Fachlich spannend finde ich „Mission Erde“ von Robert Marc Lehmann, das Satellitengeodäsie und Klimawandel verständlich verbindet. Und für aktuelle Einblicke empfehle ich den Podcast „Welten vernetzen“ der Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement.
Wenn Sie eine Superkraft hätten, die Ihnen Ihre Arbeit erleichtern oder verbessern könnte – welche wäre das und warum?
Ganz klar: Hellsehen. Dann müsste ich nicht mehr sagen „Es sieht nach Bewegung aus“, sondern könnte endlich antworten: „Der Hang rutscht nächsten Mittwoch um 15:42 Uhr – ziehen Sie sich besser feste Schuhe an!“
Wenn Sie nicht in Ihrem aktuellen Beruf tätig wären, was würden Sie gerne machen?
Feuerwehrmann! Schon als Kind der Klassiker – Blaulicht, Action, große Geräte. Und keiner fragt, ob die Koordinaten normgerecht transformiert wurden. Einfach Wasser marsch statt Datenmodell!
Gibt es unabhängig von Ihren Arbeitswerkzeugen etwas auf Ihrem Schreibtisch oder im Büro, das Sie niemals missen könnten?
Wenn ich mich umschaue, sehe ich Bilder – aus chilenischen Bergwerken, vom Wadi im Oman oder von Projekten, bei denen auch mal was schieflief. Und natürlich meine Familie. Sie zeigen mir täglich, worums eigentlich geht.
Welchen Rat würden Sie jungen Menschen geben, die sich für ein Forschungsfeld wie Ihres interessieren?
Seid neugierig und offen in alle Richtungen! Hört zu, respektiert andere Meinungen und bleibt auf Augenhöhe – egal mit wem. Auch die Besten in der Wissenschaft lernen ständig dazu. Wer meint, schon alles zu wissen, hat meist was übersehen.
Wenn Sie Ihr Projekt heute neu aufsetzen würden: Was würden Sie anders machen?
Am Projekt selbst würde ich wenig ändern. Mein Wechsel zur Professur nach Bochum während der Laufzeit war allerdings herausfordernd. Das hat Kapazitäten gebunden, und ich konnte nicht immer so aktiv mitwirken, wie ich es mir gewünscht hätte – manchmal passt das Timing einfach nicht perfekt.
Was war das Überraschendste oder Ungewöhnlichste, das Ihnen im Rahmen Ihres Projekts begegnet ist?
Bei AImon5.0 hatten wir tatsächlich Glück im Unglück: Während der Laufzeit kam es erneut zu einem Felssturz. Das war für die Forschung ein Glücksfall – auch wenn man sich sowas natürlich nicht wünscht. Plötzlich wurde das ganze Projekt sehr konkret und hochrelevant.
Gibt es ein Vorurteil über Ihr Arbeitsfeld, das Sie gerne aus der Welt schaffen würden?
Menschen in unserem Feld gelten oft als engstirnig oder rein technisch – dabei steckt in der Geodäsie enorm viel Innovation und Dynamik. Sie wird in Projekten gern übersehen, ist aber unverzichtbar. Ohne sie gäbe es keine verlässlichen Daten zum Klimawandel, seinen Folgen und den nötigen Maßnahmen. Viele Großprojekte wären außerdem buchstäblich planlos unterwegs.
Über das Projekt
Mehr zum Projekt AIMon5.0 erfahren Sie hier.