Und sonst so... Franziska Bocklisch?

Interview DGT-Team

Ein Forschungsprojekt lebt von den Teams, die es vorantreiben. Aber was bewegt diese Menschen? In der Rubrik „Und sonst so...” stellen wir ihnen Fragen, die auch Einblicke abseits der Projektarbeit erlauben. Dr. habil. Franziska Bocklisch aus dem Team von REDUCE spricht in diesem Interview über Buchtipps, Superkräfte und Vorurteile. 

Frau Bocklisch, wie sind Sie ursprünglich auf das Thema Umweltschutz und Digitalisierung aufmerksam geworden?

Das Thema „ressourceneffiziente Produktion“ ist seit langem ein wichtiger Schwerpunkt der Fakultät für Maschinenbau an der TU Chemnitz und eng verbunden mit Nachhaltigkeit und dem Schutz unserer Umwelt. Dass effiziente technische Lösungen immer digitale Aspekte und die klare Ausrichtung auf den Menschen brauchen, ist Teil unserer „Abteilungs-DNA“.

Welche Fähigkeiten oder Eigenschaften sind Ihrer Meinung nach besonders wichtig, um in Ihrem Forschungsfeld erfolgreich zu sein?

Wir arbeiten an der Schnittstelle zwischen Technik, digitaler Welt und Mensch. Es braucht Offenheit und Flexibilität, um verschiedene Sichtweisen zusammenzubringen und die feste Absicht, sich auf ein Forschungsziel auszurichten. Hinzu kommt der Wunsch, die Erkenntnisse auch in die Praxis zu transferieren. Da es sich um ein vergleichsweise „junges“ Forschungsgebiet handelt, braucht es eine große Portion Durchhaltevermögen!

Können Sie ein Buch, einen Film oder Podcast empfehlen, der Sie zu ihrer Arbeit inspiriert hat oder aktuell begleitet?

Ein Buch, dass mich in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit geprägt hat, ist „2052. Der neue Bericht an den Club of Rome“ von Jorgen Randers. Die Verbindung aus klarer, ganzheitlicher Analyse der (ungünstigen) globalen Situation mit dem ungebrochenen Enthusiasmus, Dinge zum Positiven verändern zu wollen, beeindruckt mich.

Wenn Sie eine Superkraft hätten, die Ihnen Ihre Arbeit erleichtern oder verbessern könnte – welche wäre das und warum?

Ich würde gern den ein oder anderen „Berg versetzen“ beziehungsweise Hindernisse wegzaubern können, damit die forschungsgetriebene Wertschöpfung von der Grundlagenforschung bis zum Transfer in Industrie und Gesellschaft reibungsloser funktioniert. So wäre auch der Aufbau zukunftsgewandter, agiler und transdisziplinärer Forschungslinien leichter.

Wenn Sie nicht in Ihrem aktuellen Beruf tätig wären, was würden Sie gerne machen?

Ich mag an meinem Beruf die Vielfalt und das Erforschen des Neuen und Unbekannten. Weil ich viele Interessen habe, könnte ich mir aber auch vorstellen, künstlerisch tätig zu sein oder enger mit Menschen zu arbeiten.

Gibt es unabhängig von Ihren Arbeitswerkzeugen etwas auf Ihrem Schreibtisch oder im Büro, welches sie niemals missen könnten?

Auf meinem Schreibtisch steht eine kleine Sanduhr, die ich für „Minipausen“ nutze und um mich zwischen stressigen Meetings zu sammeln. Das gibt Kraft. Mir wird beim Anschauen immer wieder bewusst, wie lang eigentlich eine Minute ist und dass wir nicht zu wenig Zeit, sondern oft „nur“ zu wenig aktive Konzentration auf das Wesentliche haben.

Welchen Rat würden Sie jungen Menschen geben, die sich für ein Forschungsfeld wie Ihres interessieren?

Vieles, was mit Technik zu tun hat, ist gerade für junge Frauen oft etwas abschreckend; alles, was mit dem Mensch zu tun hat, erscheint interessant. Wie wichtig die Verbindung der Forschungsbereiche ist, zum Beispiel um menschzentrierte KI-Assistenzsysteme für die Produktion zu entwickeln, erleben wir jeden Tag. Hier liegt so großes Zukunftspotential – wir brauchen stets engagierte, mutige und kluge Köpfe mit Herz und Verstand als Unterstützung!

Dr. habil. Franziska Bocklisch ist Leiterin der Abteilung „Human-Cyber-Physical Systems“ an der Professur Werkstoff- und Oberflächentechnik der Fakultät für Maschinenbau der Technischen Universität Chemnitz und verantwortet das Digital GreenTech Projekt REDUCE.

Wenn Sie Ihr Projekt heute neu aufsetzen würden: Was würden Sie anders machen?

Das Projekt ist von enger, sehr kooperativer Zusammenarbeit aller Partner geprägt – uns gelingen die meisten Dinge so, wie wir sie geplant hatten. Dafür bin ich dankbar! Ich würde nichts ändern, sondern weitermachen! Zum Beispiel um den digitalen Prototypen mit weiteren Funktionalitäten auszustatten und an verschiedene Aufgaben- und Mitarbeitende adaptiv anzupassen oder Experten- und Erfahrungswissen mit datenbasierten Ansätzen zu verbinden.

Was war das Überraschendste oder Ungewöhnlichste, das Ihnen im Rahmen Ihres Projekts begegnet ist? Oder: Gibt es einen Moment im Rahmen des Projekts, den Sie so schnell nicht vergessen werden? 

Bei der Werkbegehung bei unserem Industriepartner war ich fasziniert von den technischen Möglichkeiten. Es scheint wie von Zauberhand alles allein zu funktionieren. Als wir im Projekt genauer geschaut haben, wurde schnell klar, dass an vielen Stellen menschliches Mitdenken, Engagement und Integrationskraft gefragt sind. Es ist kein „entweder Technik oder Mensch“, sondern oft ein „sowohl als auch“, das im Verborgenen liegt.

Gibt es ein Vorurteil über Ihr Arbeitsfeld, das Sie gerne aus der Welt schaffen würden?

Ein Vorurteil vielleicht nicht, aber eine verbreitete Wahrnehmung, die nicht ganz richtig ist: Menschzentrierte Technikentwicklung umfasst nicht nur „weiche Faktoren“ und den späteren Nutzer. Auch der/die Fachexpert*in, der/die Digitalisierungsexpert*in, der/die Unternehmer*in oder Manager*innen tragen viel zum Gelingen bei. Wir versuchen dies mit unserem systematischen Digitalisierungszyklus „Human-CoMo“ zu zeigen und mittels kognitiver Expertise zu unterstützen.

Über das Projekt

Mehr zum Projekt REDUCE erfahren Sie hier.